Cyriak Harris

Cyriak Harris ist ein Animator aus Großbritannien, der insbesondere im Internet erfolgreich ist. Mit über einer Million Abonnenten und über 240 Millionen Klicks auf seinen Videos ist er seit 2006 auf YouTube aktiv und hat seitdem auch für Musiker und das Fernsehen gearbeitet.

Mit seinem grotesken Stil erschafft er in Adobe AfterEffects aus kurzen, meist selbst gefilmten Filmschnipseln organische und verknotete Karikaturen reeller Dinge. Sein erfolgreichstes Video, „cows&cows&cows“, liegt momentan bei etwa 50 Millionen Klicks und basiert auf einem nur wenige Sekunden langen Clip einer Kuh auf einer Weide, aus der er zu seiner eigenen Musik neue Wesen erschafft.

Cyriak hat sich bereit erklärt, mir einen Einblick in seine Herangehensweise an das Thema Animation zu geben. Dieses Interview wurde auf Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt.

Wie ist deine Herangehensweise an ein neues Projekt? Machst du einen Unterschied zwischen eigenen Animationen und Auftragsarbeiten?

Für meine eigenen Projekte benutze ich normalerweise meine Musik. Ich schätze, ich habe da einen leichten Kontrollzwang (Darum arbeite ich auch in der Regel nicht mit anderen zusammen). Meistens kommt die Musik zuerst. Das ist wichtig, denn sie bildet einen Rahmen für das Aussehen. Sie inspiriert mich darin, welchen Stil ich verwende, die Atmosphäre, und erzählt die Geschichte. Außerdem bildet sie einen buchstäblichen Rahmen für das Tempo und zeitlich gesteuerte szenische Veränderungen. Das gilt auch für Auftragsarbeiten, und darum lehne ich auch Aufträge ab, wenn ich die Musik nicht ausstehen kann. Entweder gibt es mir einfach keine visuellen Eindrücke oder Ideen für eine Geschichte, oder ich will sie einfach nicht einen Monat lang jeden Tag hören müssen. Die Herangehensweise variiert. Manchmal habe ich eine konkrete Idee für den ganzen Film, lege ein Storyboard an und erstelle daraus eine Animatic, was eigentlich nur eine Animation des Storyboards zur Musik ist. So weiß ich in etwa, wie lang jede Szene sein muss.

Manchmal habe ich auch nur eine wage Idee, wie der Film aussehen wird. Die behalte ich erstmal im Kopf und fange einfach an, mit visuellen Improvisationen zu experimentieren. Deren Ergebnisse beeinflussen dann den nächsten Schritt, und obwohl ich eine grobe Vorstellung habe, was aus dem Video wird, weiß ich nicht genau, was unterwegs damit passiert. Dafür benutze ich meistens Clips von gefundenem Videomaterial und spiele damit herum. Manchmal fühlt es sich dann fast so an, als würde das Video von allein entstehen.

Wie denkst du, haben Seiten wie Youtube (oder Flashportale wie Newgrounds, alles, worauf man einfach Inhalte veröffentlichen kann) Animation verändert? Als jemand, der sowohl im Internet veröffentlicht als auch für das Fernsehen produziert hat, siehst du zwischen den beiden einen Unterschied?

Ich bezweifle dass ich ohne das Internet überhaupt eine Animationskarriere hätte. Ich hab zwar einen Abschluss, aber der ist von 1998 und das Internet war zu der Zeit noch ziemlich neu. Der klassische Weg war immer noch Leuten physisch zu zeigen was du machst, in dem man Arbeitsproben versendet oder auf Filmfestivals zeigt. Dafür war ich definitiv zu faul, aber dann kam das Internet und brachte eine Plattform mit sich, auf der man einfach die eigenen Arbeiten zeigen kann und die Leute finden dich. Außerdem habe ich angefangen, aus Spaß GIFs zu animieren, was man jetzt nicht unbedingt auf Filmfestivals zeigt aber was Werbeproduzenten und Fernsehkanäle lieben. So habe ich also Arbeit gefunden.

Fernsehen fühlt sich für mich nach einem aussterbenden Medium an, das sich abmüht, mit dem Internet mitzuhalten. Das kann auch nur mein Gefühl sein, aber das habe ich von Produktionsfirmen mitbekommen. Die versuchen ständig, beliebte Sachen aus dem Internet in Fernsehformate zu verwandeln, aber es funktioniert nie weil die beiden grundsätzlich verschiedene Medien sind und Menschen sie auf verschiedene Art nutzen. Das Internet benutzt man, man interagiert und entdeckt Inhalte, teilt sie, es ist wie ein fortlaufendes Gespräch. Fernsehen dagegen ist wesentlich linearer, vor allem wenn man sich nicht selbst aussucht was man schaut.

Was denkst du, ist der wichtigste Teil von Animation? Was ist leicht richtig oder falsch zu machen? Wenn du dir einen Eintrag für das Trickfilmlexikon für Einsteiger aussuchen könntest, welcher wäre es?

Ich glaube, eine gute Beobachtungsgabe ist eine der wichtigsten Dinge für Animation. Das trifft eigentlich auf alle Künste zu, und es hilft bei Animation auf jeden Fall, etwas künstlerische Fähigkeiten zu haben, selbst wenn man wie ich nur Fotos ausschneidet. Man muss die Realität beobachten, damit deine Kunst authentisch aussieht, besonders, wenn es um Bewegung geht. Beobachtung kann Zusehen sein, aber man kann die Bewegung auch selbst nachempfinden, oder schauen wie ander Animationskünstler die Sache angehen.
Wenn ich einen Begriff für Einsteiger auswählen könnte schätze ich, wäre es G wie GIFs. So habe ich angefangen, und das schöne daran ist, dass es kurze, in sich geschlossene Loops sind, die man schnell produzieren kann. Ein guter Punkt, um einzusteigen. Wenn ich heutzutage GIFs mache benutze ich AfterEffects um Videoloops zu machen, die ich dann in GIF konvertiere, und wenn ich sie hochlade wandeln die meisten Webseiten sie wieder zurück in Videoform. GIFs sind heutzutage also nicht mehr perfekte Formate, aber erstaunlicherweise haben sie überlebt. Warscheinlich, weil so einfache animierte Loops einen visuellen Eindruck von Bewegung erzeugen, wo der Rest der Internetkommunikation sehr statisch ist.

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