Goldener Schnitt

Aufbau eines Portraits nach dem goldenen Schnitt. Mittelachse des Gesichts und Augenlinie stimmen mit der Horizontale und Vertikale der Bildaufteilung überein, und das Gesicht wird durch die Bildmitte und die weitere Unterteilung eines Feldes gerahmt. Haare und der Körper sind angeschnitten.

Der „Goldene Schnitt“ im Film ist eine Regel der Bildkomposition, bei dem sich das Maß zweier Strecken zueinander so verhält wie das Maß der längeren Strecke zur Summe beider. Diese Proportionen sollen in der Natur besonders häufig vorkommen und dem Menschen als besonders ästhetisch erscheinen. Das Längenverhältnis des Goldenen Schnittes liegt bei etwa 1:1,61.

Bildkomposition ist vor allem wichtig, wenn man ein überschaubares Bild erschaffen will, in dem der Zuschauer sich gut orientieren kann. Einstellung der Szene und Bildkomposition beeinflussen sich gegenseitig. Darum gibt es ein paar Dinge, die man bei der Bildkomposition beachten sollte:

Die „Cadrage“ (französisch für „Rahmen“) ist der gewählte Ausschnitt der Szene, der für das Blickfeld der Kamera sichtbar ist (s. Brennweite und Blickwinkel). Dieser Bereich sollte für eine Szene aufbereitet sein, zum Beispiel durch angemessene Beleuchtung und ästethische Positionierung von Akteuren und Kulisse (s. Modell).

Der Anschnitt bestimmt, wie viel von einem Bildelement abgebildet wird. Ragt ein Gegenstand beispielsweise am Rand der Cadrage in das Bild hinein und ist damit nicht vollständig abgebildet, ist er angeschnitten. Diese Technik öffnet den Raum im Film abseits des Gezeigten und impliziert, dass die Filmwelt außerhalb der Cadrage noch weiter geht. Bestimmte Einstellungsgrößen wie die Großaufnahme schneiden auch Akteure an.

Der „Lead Room“ (englisch für „Richtungsraum), manchmal auch „Nasenraum“ genannt, ist eine Regel, die besagt, dass sich gerichtete Bildelemente wie Blicke eines Charakters oder fahrende Autos, wenn sie sich nicht in der Bildmitte befinden, in die Richtung der größeren Bildhälfte richten sollten.

Grundsätzlich orientiert sich die Bildkomposition an den Sehgewohnheiten des Menschen, mit einem Blickfeld das breiter ist als hoch. Darum tendieren wir auch dazu, Horizontalen in Bildern zu suchen, weil wir selbst, wenn aufrecht stehend, ein horizontales Blickfeld haben. Sind diese Horizontalen nicht annähernd horizontal im Bild spricht man von einem „Dutch Angle“, einer Kameraperspektive, die bewusst mit diesen Sehgewohnheiten spielt, um den Zuschauer zu desillusionieren oder sich mulmig fühlen zu lassen.