Licht

Licht hat für uns Menschen eine besondere Bedeutung: Nur durch Licht können wir sehen, und dieses Orientierungsvermögen gibt uns Sicherheit. Ein Feuer vertreibt Raubtiere oder vereitelt ihre Versuche, sich ungesehen zu nähern, und es spendet Wärme in kalten Nächten. Die Sonne nährt Pflanzen und erlaubte uns die Kultivierung von Nahrungsmitteln in unserer direkten Lebenswelt.

Man kann also behaupten, dass nur wenig Dinge den Menschen so stark beeinflussen können wie Licht, oder dessen Abwesenheit. Dunkle Korridore finden wir gruselig, weil wir uns nicht sicher sein können, was uns an ihrem Ende erwartet, nicht weil wir Grund zu der
Annahme haben, dass dort ein Monster auf uns lauert. Die Möglichkeit von Gefahr ist um einiges anspannender als ihre direkte Konfrontation. Aus diesen Gründen bevorzugen Menschen in der Regel eine klare Lichtsituation gegenüber geheimnisvoller Schatten oder Zwielicht. Zu viel Licht dagegen kann auch überwältigend auf uns wirken oder sogar schmerzhaft sein.

Licht hat also einen starken emotionalen Faktor in sich, und die Beleuchtung einer Szene hat direkten Einfluss auf ihre Wirkung und die Dinge, die der Zuschauer assoziiert und antizipiert: Für eine neutrale Berichterstattung eignet sich vermutlich am ehesten ein regelmäßig ausgeleuchtetes Set, aber zur emotionalen Aufladung einer Szene kann man mit Licht auch Akzente setzen. Man kann bestimmte Details oder Bildteile betonen indem man sie durch Licht vom Rest der Szene abhebt (siehe Psychologie). Eine warme, flache Lichtquelle, die lange, dunkle Schlagschatten wirft zeigt uns, dass es Abend wird, und eine Beleuchtung von Hinten kann, je nach Hintergrund, die Konturen einer Figur betonen oder verschwimmen lassen. Die Möglichkeiten, die Wirkung eines Bildes durch Licht zu beeinflussen, sind nahezu unendlich.