Martha Colburn

Martha Colburn ist eine amerikanische Künstlerin, die bereits in den unterschiedlichsten Bereichen tätig war. In ihren Videos finden die verschiedensten Materialien und Techniken Anwendung: Zerschnittene Malereien, Papierfiguren, Sand bis zu Spielzeug und toten Insekten. Sie kombiniert analoge und digitale Prozesse und erschafft so bemerkenswerte Animationen. Dabei arbeitet sie auch zusammen mit Musikern oder Sound Designern wie Serj Tankian, Felix Kubin und vielen weiteren.

Mit ihren Malereien, Collagen, Installationen und Videos hat sie bereits in den größten Städten der USA ausgestellt, unter anderem im Museum of Arts and Design in New York oder dem San Francisco Museum of Modern Art.

Dieses Interview wurde auf Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt.

Wenn ich mir die Vielfalt deiner Arbeiten ansehe (Musikvideos, Kurzfilme, Animationen, etc.) scheinen eine Menge unterschiedlicher Techniken verwendet zu werden, zum Beispiel Papierfiguren, Stopptrick oder das Bemalen der Figuren oder Analogfilm. Wie entscheidest du deine Herangehensweise an ein neues Projekt?

Das ist sehr vom Projekt abhängig. Vor kurzem habe ich mit Richard Ayres eine moderne Oper produziert und dafür mit den Autoren und Komponisten an seinen Ideen gearbeitet. Dafür habe ich Linienzeichnungen angefertigt, Aquarelle, einen Freund als Charakter abgefilmt und gefundenes Videomaterial verwendet. Ich habe Dreck animiert, Sand, verwelkte Blumen und tote Insekten. Es ist situationsabhängig.

Einige meiner eigenen Filme bestehen hauptsächlich mit Ölfarbe, Aquarellen und Collagen. Ich wechsele ständig. Grade animiere ich in Kalifornien mit Schwarzlicht und Lehm. Ich habe rund fünf Filmkonzepte an denen ich grade arbeite, recherchiere und Material sammle (Video, Ton, Heimvideos, alte Filme, etc…)

Machst du einen Unterschied zwischen deiner eigenen Animation und Auftragsarbeiten? Wie entscheidest du, welche Technik sich für die jeweilige Stelle im Stück eignet?

Das entscheide ich danach, welches Gefühl das Stück braucht. Wenn es politisch ist, oder Kraft braucht, wird es bunt und ich bewege die Kamera sehr viel. Im Fall der Oper war eher ein minimalistisches visuelles Design erforderlich, mit viel Textur (zum Beispiel durch den Schmutz), also habe ich viele Elemente kombiniert.

Da ich dich hauptsächlich mit Musikern oder Menschen aus der Musikbranche zusammenarbeiten sehe (z.B. in „The Garden“) frage ich mich, welche Einflüsse du beim Animieren hast. Welche Rolle spielt dabei Musik?

Musik bestimmt einen großer Teil – ob es sich nun um eine Animation für ein Orchester handelt oder für eine Oper oder Rockgruppe. Aber im Fall meiner eigenen Filme mache ich die Animation und schneide die Musik dazu (Sound Design), von Musikern mit denen ich zusammengearbeitet habe und die eine weite Auswahl haben. Es ist alles sehr musikalisch.
Ich habe früher Musik gemacht, also habe ich da ein natürliches Einfühlungsvermögen. Ich animiere gern zu Musik und denke dabei an Farbe, Gefühl und Rhythmus. Manchmal spiele ich auch mit bewussten Gegensätzen in der Bearbeitung oder dem Vorangehen des Films. Es ist toll. dass Animation diese unglaublich freie Kunstform sein kann, obwohl man eine äußerst gewissenhafte Arbeitsweise haben muss, zusammen mit Präzision, einem Blick fürs Detail und vor allen Dingen Geduld.

Hast du das Gefühl, das Internet habe die Animationsbranche verändert?

Für mich als Animator nicht. Es ist eine Plattform, mehr nicht.

Was ist für dich der wichtigste Teil einer Animation?

Ich schätze, das ist sehr vom jeweiligen Animator abhängig. Ich persönlich habe gern Spaß, wenn ich an Filmen arbeite. Mein Freund Toby Paul ist DJ in Amsterdam und hat für meine Arbeit „Studiomusik“ zur Verfügung gestellt. Einmal sind ein paar Leute vorbeigekommen, und wir haben viele durchgedrehte Ideen gehabt, ein neues Animations-Set-Up aus alten Vorhängen und Schwarzlicht zu machen. Es sollte Spaß machen, aber natürlich kommt es manchmal auch in den Bereich: „Das ist die absolute Hölle“.

Ich habe kein eigenes Studio, also arbeite ich irgendwo zwischen Amsterdam oder wie aktuell in Kalifornien, mit einem Studio durch das Headlands Center for the Arts, dann wieder an einer Oper in Los Angeles oder zusammen mit dem Komponisten Giovanni Paolo Liotta in Barcelona, Spanien. Mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten ist fantastisch. Das ist für mich der wichtigste Teil, denn häufig finden die Filme durch die Musik ihr Publikum.

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