Phillip Lück

Philip Lück ist ein 3D-Künstler und Motiondesigner aus Trier. Auf seiner Internetseite sowie in sozialen Netzwerken veröffentlicht er Bilder und Loop-Animationen von geometrischen und abstrakten Formen und Bewegungsabläufen. Er ist tätig als selbstständiger Animator und hat bereits mit großen Marken wie Swatch und Nike zusammengearbeitet, für die er Videoclips zu Werbezwecken erstellt hat.

Er legt wert auf Beleuchtung und Oberflächenstrukturen, die häufig über reinen Naturalismus hinausgehen und sich in den Bereich des Surrealen wagen, sodass sie wie Ausschnitte aus einem kleinen, fremden Universum wirken, in dem unsere Naturgesetze nicht mehr ganz genau gelten. Auch mit Philip habe ich über seinen Arbeitsprozess und seine Prioritäten gesprochen:

Soweit ich weiss, beschäftigst du dich hauptsächlich als Shading-Artist mit Octane und Cinema4D. Wie gehst du an ein neues Projekt heran? Machst du Unterschiede bei deinen eigenen Arbeiten und Aufträgen?

Meine eigenen Projekte starte ich meist einfach aus dem Bauch heraus, ohne viel Nachdenken einfach drauf los. Dabei kommt dann meist irgendwas bei raus und entweder gefällt mir das dann, oder ich versuch einfach was Anderes. Klar hab ich auch so meine Liste an Dingen die ich so im Kopf hab, die ich hier und da mal abarbeite, aber meistens ist es doch eher unplanmäßiges drauflosarbeiten. Sowas geht natürlich bei Kundenarbeit eher weniger. Da muss man schon klar strukturiert erklären können, wieso man da jetzt was gemacht hat, sofern der Kunde einem nicht schon eh vorgibt, was genau zu tun ist. Deswegen finde ich es trotz aller Verspieltheit und Kreativität wichtig zu unterscheiden, wann man welchen Weg einschlagen sollte.

Ich habe mich auch noch mit neuen Medien im Kontext der Animation beschäftigt. Da du meines Wissens hauptächlich auf Instagram deine Arbeiten veröffentlichst, interessiert mich da deine Perspektive. Wie glaubst du haben solche Internetplattformen die Animations- und Filmszene verändert? Hast du
unterschiedliche Sichten auf die industrielle Arbeit im Vergleich zur Arbeit für Internetplattformen wie Instagram?

Ich denke in Bezug auf wirklich große Filmproduktionen (Hollywood Blockbuster, etc.) führt kein Weg daran vorbei auf dem ‚alten‘ Weg dort irgendwie mitarbeiten zu können. Wenn ich mir jedoch anschaue, wie Instagram und YouTube auch die Werbung verändert haben denke ich schon, dass es um einiges einfacher geworden ist sich kreativ auszuleben und gleichzeitig entdeckt zu werden. Was ich mit Werbung verändert meine ist, dass man einige der typischen Instagramästhetiken immer häufiger bei großen Marken als Stilmittel findet – eben weil es immer mehr eigenständig arbeitende Leute gibt, die neue und frische Stile (wenn auch nicht immer ästhetische, aber das liegt im Auge des Betrachters) mitbringen und eben darauf reagiert wird.

Ob sich meine Sicht als solche auf industrielle Arbeit verändert hat? Ich denke eher weniger. Viel mehr hab ich das Gefühl das die Grenzen viel fließender und nicht mehr so statisch sind. Klar sind große Filme mit ordentlich Investoren und Budget noch immer statisch ohne Ende, weil da eben ein viel größeres Risiko besteht, dass da Geld verloren geht, aber wie bereits eben gesagt, vor Allem in der Werbung sehe ich aktuell kaum noch einen Unterschied zu manchen freien Arbeiten die man auf Instagram sieht. Ich mein Ich erleb das nahezu bei 50% meiner Anfragen ‚Hey, wir wollen diesen Style den du auf Instagram machst.‘ – Teilweise hab ich das Gefühl da fällt einfach der Art Director weg, weil der Endkunde auf Instagram bereits sieht was funktioniert (Reichweite/Traffic generiert) und was nicht.

Was glaubst du, ist der wichtigste Teile einer hochwertigen Animation? Was kann man als Beginner leicht falsch oder richtig machen? Wenn du dir einen Buchstaben aussuchen könntest, welcher wäre es?

Wenn wir lediglich von Animation sprechen, dann ist es auf jeden Fall richtiges Timing. Selbst wenn du nur eine Kugel animieren solltest, dann ist Timing alles. Richtiges Verhältnis von Größe und Geschwindigkeit, wie sehr bounced etwas, wie lange steht eventuell etwas still – all das funktioniert nur, wenn das Timing stimmt. Klar, alles weitere ist auch wichtig, aber egal wie perfekt deine Texturen oder dein Licht sind, wenn das Timing nicht stimmt, dann stimmt die gesamte Animation nicht. Auf Musik oder Soundeffekte zu schneiden hilft dem Ganzen natürlich und ist grade am Anfang eine gute Stütze. Ansonsten gibt es da eher weniger richtig und falsch. Einfach experimentieren und nicht vor dem unerwarteten zurückschrecken, nichts ist schlimmer als eine vorhersehbare Animation.